Juhu, Yahoo? Jemand zuhause?

Seit Jahren überschlagen sich die Meldungen zu immer weiter gehenden Überwachungsskandalen und seit Jahren schaffen es die meisten Betroffenen stoisch in die andere Richtung zu schauen – während die üblichen Verdächtigen, ermutigt durch so viel Gleichmut, immer eine Schippe draufsetzen. So wie jetzt beim Yahoo-Skandal.

Worum geht’s? Einer der Internet-Konzerne der ersten Stunde, Yahoo, musste eingestehen, dass das Unternehmen im Auftrag des FBIs die E-Mails von Anwender nicht nur via Metadaten eingeordnet hat, sondern bei der Gelegenheit auch gleich deren Inhalte scannte. Einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters zufolge modifizierte das Unternehmen im vergangenen Jahr heimlich einen bereits bestehenden Spamfilter, mit dem es dann möglich war, die eingehenden Nachrichten aller Kunden nach bestimmten Informationen zu durchsuchen. Mails, in denen die vorgegebene digitale Signatur vorkam, wurden gespeichert und an das FBI weitergegeben – und in der Folge an die NSA, die für Überwachungen dieser Art in der Regel das FBI beauftragt.

„Yahoo ist ein gesetzestreues Unternehmen und fügt sich den Gesetzen der Vereinigten Staaten“ erklärte das Unternehmen in einem kurzen Statement auf eine Anfrage Reuters und verweigerte jede weitere Stellungnahme. Bekannt ist auch nicht, welche Art Informationen auf diese Weise gewonnen werden sollten.

Hallo, #McFly? Geht's noch? #Yahoo und die gescannten E-Mails ... Click to Tweet

Zwar ist es nicht unüblich, dass Telefon- und Internetunternehmen große Datenmengen ihrer Kunden auf Anfrage an Geheimdienste und andere Behörden aushändigen, das Scannen aller Mails in Echtzeit ist jedoch in demokratischen Gesellschaften ein Novum und für Überwachungskritiker ein klarer (weiterer) Tabubruch. Manche unterstellen dem Unternehmen auch vorauseilenden Gehorsam, zumal Yahoo offenbar nicht nur Mails scannte, sondern anonym bleibenden Angestellten zufolge das komplette Netzwerk – was auch nach US-amerikanischem Post-9/11-Recht ein klarer Verfassungsbruch ist, dem man sich hätte widersetzen können. Nationale Sicherheitsbriefe hin oder her.

Aber spätestens beim Umgang mit den Folgen hat sich Yahoo nicht mit Ruhm bekleckert. Als man bemerkte, dass doch nicht alle Anwender gleich viel Gleichmut aufwiesen, sperrte man klammheimlich die Weiterleitungsfunktion für E-Mails, um es Wechselwilligen so schwierig wie möglich zu machen. Auch zu einem Dementi fühlte man sich nicht berufen, so dass Yahoo-User besser davon ausgehen, dass E-Mails weiterhin gescannt werden. Geheimdienste sind schließlich nicht dafür bekannt, dass sie sich erschrocken zurückziehen, wenn ihre Machenschaften auffliegen.

Der Wechsel kann aber auch anders angegangen werden: Webmailer wie bspw. von Google oder Microsoft bieten eine Sammelfunktion, die deine Mails automatisiert bei deinem Yahoo-Konto abholen, auch ohne Weiterleitungsfunktion. Und dann gibt es noch in vielen Mail-Clients die Funktion ‚Reply to‘. Dort trägt man einfach eine neue Adresse ein und mit der Zeit verliert das Yahoo-Konto mehr und mehr an Bedeutung – bis man es schließlich komplett deaktivieren kann.

Update: Mittlerweile soll Yahoo es seinen Anwendern wieder ermöglichen, die Weiterleitungsfunktion problemlos zu aktivieren.

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