Stichtag 1. Juli: VDS reborn und Prepaid nur noch mit Ausweis

Der Hysterie um Terrorschläfer und andere Bedrohungen für das demokratische westliche Refugium des Planeten fiel schon so manches Freiheitskriterium zum Opfer. Am 1. Juli soll dieses Schicksal auch eine der letzten Bastionen anonymer Kommunikation, außer Bahnhofsklos, ereilen: Prepaid-SIM-Karten. Zuvor noch ein einigermaßen sicherer Garant, die eigene Privatsphäre nicht zwangsweise an die große Glocke hängen zu müssen, gibt es die Karte dann nur noch bei Vorlage eines Ausweises.

Was also tun?

Wer anonyme Prepaid-Karten nutzt, schützt seine Privatsphäre. Eine Maßnahme, die offenbar zusehends notwendiger wird in Zeiten, in denen nicht nur fragwürdige Vorratsdatenspeicherungen wiedereingeführt, sondern dem Willen des Innenministers nach selbst zur Aufklärung eher einfach gestrickter Taten wie Einbrüche herangezogen werden sollen. Mit solch einer Telefon-Guthabenkarte verhindert man zwar nicht, dass Verbindungsdaten in den Schleppnetzen der Ermittler auftauchen, aber relativ zuverlässig deren Zuordnung zu bestimmten Personen.

Damit soll am 1. Juli Schluss sein. An diesem Tag tritt nicht nur die zweite Version der ursprünglich vom Verfassungsgericht gekippten Vorratsdatenspeicherung wieder in Kraft, sondern auch eine Ausweispflicht beim Erwerb von Prepaid-Karten. Einzige Möglichkeit, dem entgegenzutreten: Die Anschaffung von SIM-Karten auf Vorrat – was Terroristen und Straftäter wahrscheinlich weidlich nutzen werden, während der Normalbürger in aller Regel vermutlich erst bei Aldi in der Schlange von den neuen Bestimmungen erfährt. Aber vielleicht ist das auch der Plan: Da echte Straftäter generell mit sauberen Handys kommunizieren, also solche, die nie mit regulären Karten genutzt worden sind, und auf beiden Seiten nicht registrierte SIM-Karten verwenden, braucht man in Zukunft nur das komplette mobile Netz überwachen und jene aussortieren, deren Daten offen liegen. Diejenigen, die übrig bleiben, müssen dann die Bösen sein. Wie heißt es so schön: ‚Wer nichts zu verbergen hat, …

Es heißt aber auch: ‚Eine Tür schließt sich, eine andere …‘ Die andere Tür ist in diesem Fall das zunehmende Angebot von offenen WLANs, die dank abgeschaffter Störerhaftung (noch) ideale Plattformen für anonyme Kommunikation bieten. Nur, bequem von Zuhause aus oder allein im Wald kann man dann keine nicht mitgeschnittene Kommunikation mehr starten. Dann bleibt tatsächlich nur noch das Bahnhofsklo – und vielleicht ist das ja auch der wahren Grund, warum öffentliche Toiletten zusehends aus dem Stadtbild verschwinden.

 

Foto: Lydia Harper (https://stocksnap.io/author/44408)

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