Über Pokémon, Wahrheitsministerien und Ehrlichkeits-Scores: Kleine und große Privatsphären-Desaster in 2016

Wollte man 2016 hinsichtlich wichtiger Ereignisse im Bereich Privatsphäre hin abklopfen, so müsste man feststellen, dass es das eine oder andere Highlight gab, aber auch dunkle schwarze Löcher. Es wurden ein paar Schlachten gewonnen, vor allem durch Hilfe des Europäischen Gerichtshofes, andere aber verloren, und mit erweiterten Befugnissen ausgestattet, stehen neue Feinde in den Startlöchern. Bereit, das Internet weiterhin zum größten Nacktscanner aller Zeiten auszubauen.

Einen Grund zu resignieren gibt es aber trotzdem nicht. Die Angriffe auf die Privatsphäre sind heftiger geworden, das Selbstvertrauen der Menschen aber auch, und statt sich blind auf Versprechungen aus Politik und Wirtschaft zu verlassen, beginnen sie, auf ihr Recht auf Intim- und Privatsphäre auch im Internet zu bestehen und es auch durchzusetzen – trotz der kleineren und größeren Desaster* im vergangenen Jahr. Oder gerade deswegen.

*Die nachfolgende Hitliste ist eine kleine subjektive Auswahl und in keinster Weise vollständig, aber beispielhaft:

1. Die Pokémon GO-Hysterie

Pokémon GO fiel unerwartet über die digitale Gesellschaft her, verbreitete sich rasant und verblasste ebenso schnell wieder. Einen Sommer lang schien praktisch jeder in den Städten auf Jagd zu gehen, ohne sich um die horrenden Berechtigungen zu kümmern, die die App für sich einforderte. Und die hatten es in sich. So erlangte der Anbieter beispielsweise durch die Preisgabe der Google-Anmeldedaten temporären Zugriff auf den Google-Cloudspeicher des Anwenders, inklusive E-Mails, Browser-Verlauf, geteilte Informationen und Fotos. Bis es zu bekannt wurde und man zurück rudern musste und jetzt ‚nur‘ noch auf das einfache Profil zugreifen darf. Bleibt die Frage, was an Standortdaten (gut, braucht man), Speicher (wohl auch) und Kontaktliste (!?) ‚einfach‘ ist.

2. WhatsApp mit deiner Privatsphäre?

Ende August gab WhatsApp eine Änderung in ihren AGBs bekannt und kündigte an, die Telefonnummern der Benutzer mit dem Mutterkonzern Facebook zu teilen. Begründung: Man wolle effektiver gegen Spam kämpfen und die Kommunikation zwischen Unternehmen und Verbrauchern verbessern.

3. Zunahme von Fake News in Social-Media-Feeds

Als hätte es nie in der Menschheitsgeschichte gefälschte Nachrichten und Lügen gegeben und als wären Politiker und Journalisten etablierter (alter) Medien wie TV und Print die letzten Gralshüter gesellschaftlicher Aufrichtigkeit, brach eine Welle der Empörung über die scheinbare Unkontrollierbarkeit sozialer Medien herein, quasi als Nachbeben auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, der, und nun sind wir alle ganz erstaunt, sein Amt DURCH LÜGEN gewonnen hat, offenbar ein Novum in der zivilisierten Welt. Ganz so, als wäre ein Facebook- oder Twitter-Nutzer dümmer beim Lesen auf dem Display als sonst im Leben – weshalb er ja durch eine Wahrheitskommission und Gegenpropaganda beschützt werden muss.

4. Verborgene Privatsphären-Risiken in Fitness-Anwendungen

Im Jahr 2016 schienen alle eine Riesenfreude daran zu haben, ihren Social-Media-Followern die gerade absolvierten Fahrrad- und sonstigen Sportleistungen zu präsentieren, beispielsweise die Anzahl der Schritte, die sie an einem Tag abgewetzt haben. Dumm nur, dass sich im Nachhinein herausstellte, dass die Anbieter dieser Anwendungen nicht nur aufzeichnen, sondern die gleichen Daten auch sehr gerne an Werbetreibende verkauften.

5. Das Yahoo-Maildesaster

Es war ein, sagen wir mal, kompliziertes Jahr für Yahoo. Im Herbst hieß es, dass der E-Mail-Dienstleister heimlich mit der NSA kooperiere und eine benutzerdefinierte Software auf alle eingehenden E-Mails seiner Benutzer ansetzte, um spezifische Informationen auszufiltern. Und kaum, dass die Nutzer dies vergessen hatten (haben sie?), wurde bekannt, dass 2013 eine Milliarde Konten gehackt worden waren. Dumm gelaufen für eine Firma, die sich 2002 weigerte, Google für $ 5 Milliarden zu kaufen. Was wohl auch irgendwie recht dumm war.

6. Großbritannien löst Privatsphäre auf

In diesem Jahr wurde im Vereinigten Königreich die berüchtigte Snooper-Charta vom Parlament verabschiedet und erhielt wenig später die königliche Zustimmung – was wohl daran liegt, dass die königliche Familie selbst ein öffentliches Leben führt, gut daran verdient und man den Untertanen so den gesellschaftlichen Aufstieg durch Teilhabe an der Öffentlichkeit erleichtern möchte.

Das neue Gesetz gewährt den Geheimdiensten grundsätzlichen Zugang zu allen Computern und Geräten der britischen Bürger, sorgt so für umfassende Freude und bringt auch wieder Leben in Britanniens Hackerszene, die die Snooper Charta bereits ausnutzt, indem sie gefälschte Datenschutzlösungen an den Mann und an die Frau bringt.

7. Türkei mauert sich ein

Völlig unverstanden von der restlichen Welt kämpft die Türkei mit allen Waffen der Demokratie gegen die Feinde der Demokratie, also alle anderen. Mit Entlassungen, Verhaftungen, Verboten und Blockaden aller Art reinigt das Land sich selbst und wirft alte schlechte Angewohnheiten über Bord, darunter den Zugriff auf WikiLeaks, soziale Medien und Tor.

8. Ein DDoS-Angriff, der in die Geschichte einging

Am Freitag, den 21. Oktober, verursachte eine Reihe von DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service) weitgehende Störungen im US-amerikanischen Internet. Dem Mirai-Botnet gelang es, große Teile des Netzes lahmzulegen, darunter Websites wie Twitter, Guardian, Netflix, Reddit und CNN sowie viele andere, bis hin nach Europa.

9. China: Wahrheitsministerium 2.0

Während sich hierzulande noch die üblichen Verdächtigen abmühen, Wahrheit zu definieren und mit einer Wahrheitskommission ihrer Realitätsblase Geltung zu verschaffen, ist China bereits einen Schritt weiter. Dort kümmert man sich nicht mehr darum, welche Inhalte wahr sind, sein könnten oder von Politiker stammen, sondern kündigt an, bis 2020 ein System aufzubauen, das dem sozialen Ruf eines Bürgers einen Wert zuschreibt, mit dem Ziel, eine Kultur der ‚Aufrichtigkeit‘ zu schaffen, in der „Vertrauen ruhmreich ist”.

Um dies zu erreichen, werden private Online-Informationen über chinesische Unternehmen und Bürger an einem einzigen Ort gesammelt und ein Wahrhaftigkeits-Score erstellt, welcher wiederum, so er niedrig sein sollte, dafür sorgt, dass einem Bürger Privilegien verweigert werden. Der Vorteil gegenüber dem westlichen System: geringere Kosten, weil weniger Bürokratie und Einfachheit, da man sich nicht mehr mit dem Inhalt einer Meldung auseinandersetzen muss. So etwas hilft auch bei Whistleblowern, da man nur im Nachhinein den Score eines Menschen absenken muss, um jede Diskussion im Keim zu ersticken.

Ausblick auf 2017

Bleibt die Frage, ob 2017 derartige Highlights wird toppen können, was angenehmerweise fraglich ist, da sich nicht nur der negative Trend der letzten Jahre fortsetzen wird, sondern auch der Widerstand gegen weitere Einschnitte in die Privatsphäre – wobei du sicher sein kannst, dass CyberGhost an deiner Seite dabei sein wird und du dich auf uns als echtes Privatsphären-Unternehmen verlassen kannst – mit einem echten Free VPN ebenso wie mit einem weiteren Ausbau der Serverflotte und Sicherheitsfunktionen im Premiumbereich.

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CyberGhost VPN - Uli
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